OJC – Freitagsimpuls

Offensive Junger Christen

Wer bin ich, dass meine Leistung mich nicht definiert?

25.09.2026 6 min Gerd Epting

Zusammenfassung & Show Notes

"Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." | 1. Joh 5,4c

von Gerd Epting


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Die Offensive Junger Christen – OJC e.V. ist eine ökumenische Kommunität innerhalb der Ev. Kirche, die sich für eine Erneuerung in Kirche und Gesellschaft einsetzt.

Transkript

Wie gelingt mein Leben? Ich glaube, diese Frage begleitet uns alle. Bewusst oder unbewusst. Was brauche ich, damit mein Leben gelingt? Oder was macht mich zu einem Menschen, der sagen kann, ja, so möchte ich leben? Und damit sind wir ganz schnell bei einer noch grundsätzlicheren Frage. Wer bin ich eigentlich? Und wer bin ich vor Gott? Denn ich lebe ja nicht in einem luftleeren Raum. Ich lebe inmitten einer Welt mit ihren Vorstellungen davon, was ein gelungenes Leben ausmacht. Eine Welt, in der Leistung, Ansehen und Besitz einen großen Stellenwert haben und in der vieles ohne Gott auskommen will. Schon in meinen jungen Jahren, mit Mitte 20, hat mich dazu ein Artikel von Henry Nauen nachhaltig in meinem Christsein geprägt. Nauen stellt darin folgende Fragen. Bin ich, was ich tue? Also zählen vor allem meine Kompetenz, meine Ausbildung, meine Leistung. Oder bin ich, was andere über mich sagen? Denn, Zitat Naulen, wir sind sehr, sehr sensibel in Bezug darauf, was Menschen über uns sagen. Wir sind extrem besorgt um unseren Ruf. Was die Leute über uns sagen, das geht uns meist direkt durch Mark und Bein und trifft uns mitten ins Herz. Oder bin ich etwa, was ich habe, Besitz, Geld, aber auch Familie kann ich haben. Und ich muss immer noch, trotz 30 Jahren weiterer geistlicher Reife und Erfahrung, sagen und bekennen, ja, sehr oft lebe ich genauso, als wäre ich das, was ich tue, und das, was die Leute über mich sagen, und das, was ich habe. Wer bin ich? Und wie gelingt es mir und dir, gegen dieses scheinbar unbesiegbare Wertesystem, bei dem Leistung, Ansehen, Haben und Genießen zum Mittelpunkt werden, zu gewinnen? Dietrich Bonhoeffer hat 1944 ein Gedicht verfasst, welches er aus der Gefängniszelle an seinen Freund Eberhard Bethke geschickt hat und sich derselben Frage stellt. Ich trage vor. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich trete aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spreche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. Mehr bin ich. Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig, lächelnd und stolz, wie einer, der siegen gewohnt ist. Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als wirkte mir einer die Kehle. Hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, Umgetrieben vom Warten auf große Dinge, Unmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, Müde und zu leer zum Beten, Zum Denken, zum Schaffen, Matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen. Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg? Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, oh Gott. Soweit Bonhoeffer. Nicht meine Leistung. Nicht mein Ansehen, nicht mein Haben, nicht mein, sondern sein, Gottes. Wir gehören ihm. Und wenn wir das wissen, wenn wir dem vertrauen, wenn wir das glauben, dann müssen wir uns nicht mehr von den Maßstäben dieser Welt definieren lassen. Dann müssen wir nicht ständig beweisen, wer wir scheinbar sind. Denn unser Glaube sagt uns, ich bin nicht das, was ich leiste. Ich bin nicht das, was andere über mich sagen. Ich bin nicht das, was ich besitze. Ich bin der Mensch, den Gott kennt und liebt und der zu ihnen gehört. Und genau davon spricht der Wochenspruch für die kommende Woche aus dem ersten Johannesbrief. Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Nicht weil unser Glaube so stark wäre, sondern weil wir dem vertrauen, der stärker ist als all das, was uns bestimmen will. Dem Gott, der lebendig ist, der gegenwärtig ist, der mich kennt und mich trotzdem liebt. Das ist unser Sieg. Wir gehören ihm. Amen.