Wenn Gott nicht so mitmacht, wie ich will
Impuls zum 11. Sonntag nach Trinitatis
14.08.2026 5 min Ursula Räder
Zusammenfassung & Show Notes
„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ | 1. Petr 5,5b
Von Ursula Räder
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Transkript
Der Wochenspruch für die kommende Woche steht im 1. Petrusbrief Kapitel 5: Vers 5. Gott widersteht den Hochmütigen, aber den
Demütigen gibt er Gnade. Vor Gott sind alle Menschen gleich, aber er behandelt nicht alle gleich. Den einen widersteht er,
den anderen gibt er Gnade. Woran liegt das? Gottes Wunsch ist es mit, jedem von uns in möglichst tiefe echte
Beziehung zu kommen. Sein Ja zu uns spricht er von seiner Seite aus, ohne Wenn und Aber. Von unserer Seite
aus hat die Beziehung etwas mit unseren Haltungen zu tun, mit unserem Denken. Was ist das eigentlich, Demut? Und was
ist Hochmut? Und was heißt es, von Gott Gnade anzunehmen oder sein Widerstehen zu erleben? Ich wage mal eine Kurzdefinition
von Demut. Die Einsicht ins eigene Herz, so ehrlich wie möglich. Wissen, wer ich bin und wer ich nicht bin.
Begabungen und Defizite, Begrenztheit und aus dem vollen Schöpfen. Alles darf wahr sein. Ja, so ist es. Und dann mich
nicht schämen für mein Begrenztsein und mir nichts einbilden auf die Begabungen. Die Einschränkungen mutig aushalten und man können fröhlich
einbringen. Nicht Verzweiflung oder Verachtung zulassen, sondern wo nötig um Hilfe bitten und womöglich mein Pfund dazulegen und in allem
zutiefst wissen, ich schaffe es nicht alleine. Mich in die Vaterarme Gottes werfen und auf seine Gnade hoffen. Und was
ist Hochmut? Auf meine Schokoladenseiten stolz sein, meine Begabungen für besser und wichtiger als die der anderen halten und sie
bei jeder Gelegenheit, passend oder unpassend, präsentieren. Meine dunklen Seiten nicht wahrhaben wollen, im Keller verstecken und mit viel Kraft
die Tür zuhalten. Der Hochmut sagt: Das kann ich alleine. Ich weiß schon, wie es geht. Und übrigens kann ich
es sowieso viel besser als die anderen. Ist ja nett von dir, lieber Gott, dass du mir helfen willst. Aber
geh lieber zu meinem Nachbarn, der hat's wirklich nötig. Ich weiß, wo ich hin will und auch, wie ich dahin
komme. Dem Hochmut begegnet Gott mit Widerstand. Er stellt sich in den Weg und sagt, Stopp, so nicht. Hier geht's
in die falsche Richtung, jedenfalls, was unsere Beziehung betrifft. So kommen wir nicht in ein tieferes Miteinander. Beim Nachdenken fand
ich es erstaunlich, dass Gott den Hochmütigen nicht einfach in sein Unglück laufen lässt, nach dem Motto, mach was du
willst, du wirst schon sehen. Sondern Gott stellt sich in den Weg. Und auch das ist ja eine Art von
Beziehung, von Zuwendung. Es ist Gott nicht egal, was aus dem Hochmütigen wird. Er will ihn gewinnen. Wenn ich ehrlich
bin, muss ich zugeben, ich finde in mir beides, Demut und Hochm Ich kenne den Seufzer, ich schaffe es nicht
alleine, Gott, ich brauche deine Gnade. Und wie dankbar bin ich, dass er sie so großzügig und ohne Vorleistung schenkt.
Aber ich kenne auch den Gedanken, das ziehe ich alleine durch, kann sowieso keiner so gut wie ich. Gottes Widerstehen
gefällt mir nicht. Es ist unbequem, stört mich. Geh weg, ist mein natürlicher Impuls. Lass mich in Ruhe. Könnte ich
Gottes Widerstehen als Anruf seiner Liebe hören? Denn sein Wunsch ist es, mit jedem von uns, mit mir, in möglichst
tiefe echte Beziehung zu kommen. Und das ist auch meine große Sehnsucht.