OJC – Freitagsimpuls

Offensive Junger Christen

Wenn das Leben zerbricht: Bei Gott ist Vergebung

Impuls zum 22. Sonntag nach Trinitatis

30.10.2026 5 min Gerd Epting

Zusammenfassung & Show Notes

"Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte." | Ps 130,4

von Gerd Epting


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Die Offensive Junger Christen – OJC e.V. ist eine ökumenische Kommunität innerhalb der Ev. Kirche, die sich für eine Erneuerung in Kirche und Gesellschaft einsetzt.

Transkript

Als junger Erwachsener war ich in einem Ladengeschäft in Freiburg unterwegs, als mir beim Anschauen ein kleiner Gegenstand aus dem Regal fiel und zerbrach. Ganz erschrocken stellte ich ihn schnell zurück und wollte weitergehen. Doch der Verkäufer hatte alles beobachtet. Er hielt mir den zerbrochenen Gegenstand entgegen. »Wollen Sie das nicht bezahlen? Sie haben es kaputt gemacht!« Angst stieg in mir auf und mein schlechtes Gewissen. Ach so, ich wusste nicht. Ja klar, dann bezahle ich wohl. Und der Ladenbesitzer sagte noch, haben Sie denn keine Versicherung? Das müssen Sie doch nicht selbst bezahlen. Mich ärgert es nur, wenn alle so tun, als hätten sie damit nichts zu tun und ich auf dem Schaden sitzen bleibe. Recht hatte er. Ich war davor noch nie in einer solchen Situation, aber hatte eine Haftpflichtversicherung und ging mit dem Kassenzettel zur Agentur. Keine 20 Minuten später hatte ich meine 40 DM zurück, aber die Angst und die Beschämung saßen mir noch in den Gliedern. Ich fühlte mich befreit und ich war dankbar, dass ich manches so einfach und ehrlich regeln ließ. Der Wochenspruch für die kommende Woche steht in Psalm 130. Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. Wir wissen, wir werden schuldig. An unseren Mitmenschen und vor Gott. Wo Menschen miteinander leben, gibt es Missverständnisse, Ärger und Verletzungen. Schuld schafft Distanz. Wir ziehen uns voneinander zurück. Manchmal ziehen wir uns auch von Gott zurück. Und dabei brauchen wir doch Gemeinschaft. Mit Gott und miteinander. Schuld braucht Vergebung. Und Vergebung kann einen Weg zur Versöhnung öffnen. Bei dir ist die Vergebung, betet der Psalmbeter. Wie schön. Und dann, dass man dich fürchte. Wie passt das zusammen? Vergebung und Gottesfurcht. Doch dieses Fürchten bedeutet nicht, dass wir vor Gott Angst haben müssen, weil er uns bestrafen könnte. Es meint eher Irrfurcht vor dem Gott, der unsere Schuld kennt und uns trotzdem nicht fallen lässt. Denn Gott macht uns ein großes Geschenk. Und wie begegnet man angemessen einem solchen Geschenk Und dem, der es uns schenkt, mit Dankbarkeit, mit Achtung und mit Ehrfurcht. Denn letztlich geht es um Beziehung. Wo Versöhnung möglich wird, kann Nähe wieder wachsen. Und wo Schuld nicht mehr zwischen uns stehen muss, kann Gemeinschaft neu beginnen. Genau das möchte Gott. Diesen kommenden Sonntag feiern wir den 22. Sonntag nach Trinitatis. Am Samstag, den 31. Oktober, erinnern wir aber auch an den Reformationstag. Und der Vers zum Gedenken an den Reformationstag aus 1. Korinther 3 passt hier wunderbar dazu. Dort steht, einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist. Welcher ist Jesus Christus? Jesus Christus ist der Grund unseres Lebens. Und dieser Grund trägt uns, auch wenn unser Leben Risse bekommt und wir schuldig werden. Unser Leben hängt nicht daran, dass wir alles richtig machen. Es ist getragen von seiner Gnade. Denn wenn wir auch schuldig werden, und das werden wir, so fallen wir nicht tiefer als in Jesu Arme. Wir kommen an Gott nicht vorbei. Wir können uns nicht an ihm vorbei mogeln, doch das müssen wir auch nicht. Im Gegenteil. Er ist kein Ladenbesitzer, der uns bezahlen lässt, sondern einer, der selbst für uns einsteht und uns den Weg in seine Nähe öffnet. Deshalb feiern wir Abendmahl. Wir kommen mit leeren Händen. Wir müssen uns nicht rechtfertigen und können uns die Vergebung auch nicht selbst verdienen. Christus schenkt sich uns. In Brot und Wein begegnet uns seine Zusage, du bist nicht auf deine Schuld festgelegt. Bei mir ist doch die Vergebung erlebbar. Du darfst leben, du darfst neu anfangen. Bleib in meiner Nähe. Amen.