Nicht die Last der ganzen Welt, sondern die des Nächsten
Impuls zum 4. Sonntag nach Trinitatis
26.06.2026 5 min
Zusammenfassung & Show Notes
„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ | Gal 6,2
Von Hanna Epting
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Die Offensive Junger Christen – OJC e.V. ist eine ökumenische Kommunität innerhalb der Ev. Kirche, die sich für eine Erneuerung in Kirche und Gesellschaft einsetzt.
Transkript
Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Der Worenspruch aus Galater 6, Vers 2 bringt
schwere Worte mit. Es geht um Last und um Tragen. Wir sind heute Morgen hier und jeder hat seine eigene
Last mitgebracht. Die Last dieses Tages. Die Last von Sorge und Verantwortung, vielleicht von Krankheit, Trauer, Schmerzen oder Müdigkeit. Vielleicht
spürte sie auf den Schultern oder im Magen. Jeder hat seine eigene Last zu tragen, so steht es in Galater
6, Vers 5. Ein paar Verse nach unserem Wochenspruch. Das kennen wir. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, sagen wir
uns manchmal mit einem Seufzen, und denken dabei vielleicht, und meins ist Und jetzt kommt Paulus mit diesem Vers um
die Ecke, dass wir zu unserem eigenen Päckchen auch noch das der anderen schultern sollen. Haben wir nicht schon genug
zu tragen? Unser Leben hat damit begonnen, dass wir getragen wurden, schon vor unserer Geburt und danach eine ganze lange
Zeit, auf den Armen von Eltern und Großeltern, vielleicht im Tragetuch, später auf den Schultern. Getragen werden gehört zu unseren
ersten Grunderfahrungen. Und am Ende unseres Lebens sind wir auch wieder mehr und mehr auf die Tragkraft der anderen angewiesen.
Und irgendwann, wenn wir gestorben sind, werden wir zu Grabe getragen. Tragen und getragen werden scheint zu unserem Menschsein zu
gehören und beides fordert uns heraus. Wichtig ist, dass Paulus nicht sagt, einer trage die Last von allen, sondern einer
vom anderen. Es lebt von Gegenseitigkeit. Davon, dass jeder tragfähig ist, auch wenn unsere Tragkraft sicher unterschiedlich ist. Wie sieht
es konkret aus, einander Lasten zu tragen? Ich lade euch ein, mal einen Augenblick lang wahrzunehmen, was die Last eures
rechten oder linken Nebensetzers sein könnte oder des Menschen, mit dem ihr heute zu tun habt. Wahrnehmen, was ihr von
ihm spürt oder wisst, oder euch vorzustellen, wie sich seine Last anfühlen könnte, das, was er oder sie trägt. Vielleicht
können wir heute und in den nächsten Tagen immer mal zu Jesus hinfragen, wo er uns zum Mittragen einlädt, vielleicht
durch eine konkrete Hilfe, vielleicht durch Beten, durch Zuhören, durch Mitfühlen und vielleicht auch einfach mal durch ein Wahrnehmen und
Aushalten der Last des Andern. Und alle, die in einer Form von Gemeinschaft leben, wissen, das zur Last des Andern
auch gehört, dass ich das mittrage, was die lästigen oder belastenden Eigenheiten, Eigenarten und Eigentümlichkeiten des Andern sind. Nicht die
der ganzen Welt, aber die von denen, die mir heute zur Seite gestellt sind. Und ich mache mir bewusst, auch
ich werde mitgetragen und mitertragen von ihnen. Bei all dem geht es nicht um ein Nice to have oder um
eine extra Aufgabe für besonders fortgeschrittene Jesus-Nachfolger. Paulus nennt es das Gesetz Christi, das, was dem Wesen Christi entspricht, was
er vor verkörpert. Es geht um konkret ausgedrückte Liebe. Das ist ihm so wichtig, weil er so ist, weil tragend
zu seinem Wesen gehört. Wir singen gleich Christi, du Lamm Gottes, der du trägst, die Sünd der Welt. Hier ist
das ganze Gewicht, die ganze Schwere und Last dieser Welt gebündelt. Und alle Last liegt auf ihm. Und er, das
Lamm Gottes, trägt auch dich und mich. Und er lädt uns ein, an diesem Morgen abzuladen bei ihm. Sorge und
Versagen, das, wo wir nicht geliebt und nicht getragen haben, und das, wo wir dachten, allein tragen zu können. Wir
bringen es ihm in der Stille.