Hungrig glaubt es sich nicht gut
02.10.2026 6 min Andreas Geister
Zusammenfassung & Show Notes
"Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit." | Ps 145,15
von Andreas Geister
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Die Offensive Junger Christen – OJC e.V. ist eine ökumenische Kommunität innerhalb der Ev. Kirche, die sich für eine Erneuerung in Kirche und Gesellschaft einsetzt.
Transkript
Zu jeder Abendmahlsfeier bei uns auf dem Schloss gehören neben dem gemeinsamen Singen, Beten und Beichten auch das Hören auf Gottes Stimme auf sein Wort. Dein Wort, Herr, schmeckt süßer als Honig. Heute ist es ein Wort aus den Psalmen,
Psalm 145, Vers 15, der Wochenspruch. Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Bei uns zu Hause war das eines der Tischgebete, das wir oft gemeinsam vor dem Essen gesprochen haben. Aller Augen
warten auf dich, Herr, und du gibst ihn ihre Speise zur Rechten Zeit. Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was da lebt, nach deinem Wohlgefallen. Eine tolle Nachricht. Gott ist nicht nur Seelsorger, sondern auch Leibsorger.
Beides gehört bei ihm zusammen. Beidem gilt seine Fürsorge, deinem Leib und deiner Seele. Dietrich Bonhoeffer hat als junger Pfarrer einmal notfallmäßig eine schwierige Konfirmantenklasse übernehmen müssen. In Berlin Wetting,
einem berühmt berüchtigten Arbeiterviertel. Ihm fiel auf, dass manche der Jugendlichen im Unterricht einschliefen, und als er nachgefragt hat, erfuhr er, dass sie noch nicht Richtiges gegessen hatten. Sie waren ausgehungert. Von da
an brachte er belegte Brote in den Unterricht mit, zuerst wurde der Leib gestärkt, dann gab's für die Seele. Leibsorge und Seelsorge gehören zusammen. Das wissen wir auch hier in der OJC. Der Psalm 145 beginnt mit den Worten: Ich will
dich erheben, mein Gott und König, und deinen Namen loben immer und ewig. Der König aller Könige kümmert sich nicht nur um das Große Ganze, sondern hat den Einzelnen im Blick und sieht, was fehlt. Ein Gott mit einem Herz für kleine Leute und
ihre Anliegen. Dass Gott so groß ist, wundert mich nicht, aber dass er uns so nahe kommt. Mir ist aufgefallen, dass hier steht, Aller Augen warten auf dich. Also die Augen all seiner Geschöpfe suchen Gott, Menschen und Tieren will Gott ein
Helfer sein. Aller Augen, nicht nur die Augen von Christen. Menschen aus allen Nationen und Religionen wenden sich an ihn mit ihren Nöten. Gottes Blick reicht viel, viel weiter als unserer. Und oft sendet er seine Hilfe, bevor wir ihn darum
gebeten haben. Vielleicht haben ja andere für uns gebetet. Im Vater unser heißt es, unser tägliches Brot gib uns heute Heute,. Unser Brot, nicht mein Brot. Wir bitten nicht nur für uns selber, sondern auch für die anderen. Für unsere Brüder
und Schwestern in der Welt, deren Augen auch auf Speise, für Leib und Seele hoffen. Gott erhört diese Bitten auf vielfältige Weise, manchmal auch durch unsere Bereitschaft mit anderen zu teilen. Eine OJC Freundin, Maria Rova, die auf
den Fidschi-Inseln lebt, hatte einmal vor Weihnachten das ganze Haus voll unerwarteter Gäste. Die halbe Verwandtschaft war gekommen. Die Vorräte in der Küche waren aufgebraucht, und sie hatte kaum noch Geld, um Lebensmittel zu kaufen.
Da hat sie gebetet. Vater im Himmel, du siehst uns und weißt, was fehlt. Du weißt gewiss einen Weg. Ich vertraue dir. Kurze Zeit später. Später klopfte es an der Tür. Der Nachbarjunge aus einer muslimischen Familie brachte zwei große Körbe
voller Lebensmittel. Mehr als genug. Wir Muslime feiern heute Erntedank, sagt er, und wir möchten unseren Dank an Gott mit euch teilen. Und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Zum Schluss eine Frage. Hast du das auch schon
erfahren, dass Gott dich sieht und Leib und Seele versorgt? Nimm dir einen Moment Zeit, um in der Stille dich daran zu erinnern, was Gott dir Gutes getan hat, und ihm dafür zu danken. Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt, oh Gott, von
dir. Dank seid ihr dafür. Amen.