Heil werden, nicht nur gesund werden
Impuls zum 19. Sonntag nach Trinitatis
09.10.2026 7 min Friederike Klenk
Zusammenfassung & Show Notes
„Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ | Jer 17,14
von Friederike Klenk
von Friederike Klenk
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Transkript
Das Wort für die kommende Woche ist ein Gebet Jeremias, das im 17. Kapitel aufgeschrieben ist. Es heißt: Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. Dem Prophet Jeremiah geht gerade die Geduld und die Liebe aus mit
seinem Volk und mit Gottes Wegen. Dieses Gebet steht ganz unvermittelt zwischen lauter schwierigen Situation für ihn. Was immer er sagt, es wird nicht auf ihn gehört. Und er wird sogar persönlich bedroht. Da kann einem schon mal Aber statt
aufzugeben und alles hinzuschmeißen, macht er das einzig Richtige. Er wendet sich direkt mit seinem verzweifelten Herzen zum Herzen Gottes. Wir werden in dieser Woche auch ermutigt, alles vor Gott zu bringen, wo uns die Geduld, die Kraft
und die Liebe ausgeht. Und um Heil und Heilung zu bitten, wo Beziehungen zerbrechen, Erinnerungen und Erlebnisse schmerzen, und ihm zu sagen, wo wir Heilung brauchen und uns Hilfe wünschen. Wir werden eingeladen, unser Herz ehrlich und
aufrichtig bei Gott auszuschütten, da wo wir am Ende sind mit unserem Latein und ungeniert um Hilfe zu bitten. Der Beter richtet seine ganze Hoffnung nach oben, auf seinen Herrn, auf seinen Gott, der ihn in diese Situation gestellt und
gebracht hat. Er betet: Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Wenn wir am Ende sind, wenn wir uns ohnmächtig fühlen, dann suchen wir alle Hilfe. Und zuallererst natürlich bei Menschen, und das ist auch gut so. Aber auch da kommen wir immer
wieder an Grenzen, wo keiner mehr helfen kann. Wer kann schon unser Herz verändern? Wer kann in uns Geduld und Liebe wachsen lassen zu Menschen, die uns eine Zumutung erscheinen? Uns Schwierigkeiten und Krankheiten zu tragen, die wir uns
nicht ausgesucht haben. Viele von uns kennen Menschen, so wie ich auch, die von schweren und unheilbaren Krankheiten betroffen sind, denen kein Arzt helfen kann. Dann ist es unser Vorrecht, bei Gott selbst landen zu können mit unserer
Not, und zu bitten, heile du ihn oder sie, Herr, so werden sie heil. Heilung und Hilfe sehen bei Jesus aber mitunter ganz anders aus, als wir es vielleicht spontan erwarten. Heil werden bedeutet mehr, körperlich gesund werden oder dass sich
endlich alle Schwierigkeiten in Luft auflösen. Heilwerden bedeutet, in Verbindung mit der Quelle des Lebens zu kommen und dabei verändert zu werden. Ja, dabei zu dem Menschen zu werden, wie Gott mich von Anfang an gedacht hat. Im Neuen
Testament sagt Jesus, als er bei Zachäus, diesem korrupten Steuereintreiber, ins Haus kommt, den Satz: Heute ist diesem Haus heilwiderfahren. Was bedeutet das? Zacchaus hat die Gemeinschaft, die Jesus ihm angeboten hat. Heute noch
muss ich zu dir kommen. Die hat er angenommen. Er hat sein Haus und sein Leben für Jesus geöffnet und ist dabei in Verbindung mit der grenzenlosen und urteilsfreien Liebe Gottes gekommen. Und damit ist in seinem Leben etwas gut geworden,
etwas in Ordnung gekommen. Er war plötzlich nicht mehr ausgegrenzt und verachtet, sondern angenommen und geliebt. Und interessanterweise galt das nicht nur für ihn allein, sondern auch für seine Familie und seine Freunde. Sie alle, das
ganze Haus, wurde in den Strom der liebenden Annahme mit hineingezogen. In einem alten Weihnachtslied heißt es: So kommt der König auch zu euch, bringt Heil und Leben mit zugleich. Also, wenn Gottes Geist kommt und uns berührt, dann kommen
Heil und Leben mit und bringen das in Ordnung, was vorher kaputt und leer war. Und noch etwas, wenn wir beten, heile du mich, Herr, so werde ich heil, dann sprechen wir darin, Gott das Vertrauen aus, das er verändern kann und dass er mich
verändern darf. Eben Heilung bedeutet nicht einfach nur Gesundheit und die Funktionstüchtigkeit wieder zu erlangen. Das geschieht mitunter auch, Gott sei Dank. Aber Heilung bedeutet im tiefsten: mit Gott verbunden sein, von ihm
gesehen und gehört zu werden und zu erfahren, dass ich in den Zufluss seiner Liebe komme. Bei einem unheilbar kranken Freund hat unser Beten nicht seine Krankheit verschwinden lassen. Aber wir haben ein anderes Wunder erlebt. In seinem
Innern, in seinem Herzen begann ganz leise wieder Vertrauen zu wachsen, wo vorher Misstrauen war, zu Menschen, mit denen er den Kontakt abgebrochen hatte. Plötzlich war da die Bereitschaft, sich wieder einzulassen und mit ihnen zu
sprechen, wieder da. Wenn wir Gott um seine Hilfe und um Heilung bitten, dann dürfen wir gewiss sein, dass etwas geschieht. Vielleicht nicht genau das, was wir uns vorstellen. Vielleicht nicht sofort, aber ganz sicher geschieht etwas,
das uns verändert. Amen.