Baut längere Tische, keine höheren Zäune
Impuls zum 13. Sonntag nach Trinitatis
28.08.2026 8 min Andreas Geister
Zusammenfassung & Show Notes
„Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ | Mt 25,40b
von Andreas Geister
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Die Offensive Junger Christen – OJC e.V. ist eine ökumenische Kommunität innerhalb der Ev. Kirche, die sich für eine Erneuerung in Kirche und Gesellschaft einsetzt.
Transkript
Ich grüße euch mit dem Wochenspruch für die kommende Woche. Christus spricht, da müssen uns schon alle Ohren weit aufgehen,
wenn Jesus uns etwas zu sagen hat, wenn er uns anspricht. Rede, Herr, ich will hören. Christus spricht, was ihr
getan habt einem von dieser meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan? Dieser Satz stammt bekanntlich aus einem Gleichnis
aus dem Matthäusevangelium. Das beginnt so: Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit wiederkommt, bekleidet von allen Engeln, dann wird
er auf dem Thron der Herrlichkeit sitzen, alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und dann wird er, wie ein
Hirte, die Schafe von den Ziegen scheiden, und in den einen wird er sagen: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters,
nehmt Gottes Reich in Besitz, das er von Anbeginn der Welt als Erbe für euch bereithält. Und dann zählt Jesus
auf, was er gesehen hat, was er sich gemerkt hat. Er hat Menschen gesehen, die das Wort Gottes nicht nur
gehört, sondern schlicht und einfach danach gehandelt haben. Seid Täter des Wortes, nicht Hörer allein. Das hat Jesus gesehen, Täter
des Wortes. Und dann benennt Jesus sechs Taten, sechs Werke der Barmherzigkeit, die er gesehen hat. Vielen von euch sind
sie ja bekannt. Hungrige wurden gespeist, Durstige bekamen zu trinken, Fremdlinge wurden aufgenommen, Nackte bekamen Kleider, Kranke wurden besucht, Gefangene
im Gefängnis aufgesucht. Die frühen Kirchenväter haben noch ergänzt: Gefangene werden freigekauft, Unterdrückte befreit. Witmen und Weisen beschützt, und jeder
Verstorbene anständig bestattet. Taten, zu denen wir nicht verpflichtet sind, sondern die wir tun, weil wir die Not sehen, die
wir tun aus Liebe zum Menschen. Von Hans-Joachim Iwand, einem Theologen, der mich geprägt hat, stammt das Wort: Ein Christ
muss keine guten Werke tun, nur noch das nötige Werk, das Notwendige, das die Not wendet. Also, wir sammeln keine
Punkte für den Himmel, sondern helfen, wo wir sehen, dass es nötig ist und gehen dorthin, wo wir gebraucht werden.
Und beten. Gott öffne uns die Augen und öffne uns das Herz, dass wir sehen, wo es uns braucht. Das
griechische Wort für die geringsten Brüder, es gilt natürlich auch für Schwestern, bedeutet die, die schlechter dran sind, die Benachteiligten,
die Schwächeren, die auf Hilfe angewiesen sind, die Unbedeutenden, die Verachteten, weil solche Menschen ein Herz haben, ein Auge haben,
denn Jesu Liebe macht uns nicht blind, sondern sehend. Vor einer Kirche in Amerika steht eine große Leucht Daruf steht
If you have more fortune than others, build a larger table, not a taller fence. Wenn du mehr Glück hast
als andere, dann baue keine höheren Zäune, sondern längere Tische. Eine Frau erzählte aus ihrer Kindheit in der Nazizeit. Bei
uns in der Nähe gab es ein Lager, von dem wir erst viel später erfuhren, dass dort jüdische, politische und
andere Gefangene interniert waren. Immer wieder marschierten sie in langen Kolonnen durch das Dorf, und wir sahen ihre ausgezehrten Körper
und die erschöpften Gesichter, die müden Augen. Wir wollten helfen, aber wie? Die Gefangenen wurden streng bewacht. Aber unsere Mütter
ließen sich etwas einfallen. Sie steckten in unsere Kinderhände ein Stück Brot oder ein Zipfelwurst und schickten uns zwischen den
Gefangenen hindurch auf die andere Straßenseite. Dabei steckten wir denen unmerklich etwas zu. Natürlich durften wir dabei nicht erwischt werden,
aber wir wollten die Not dieser Menschen wenigstens ein wenig lindern. Was ihr einem von diesen getan habt, das habt
ihr mir getan. Den Bewachern waren die Augen gehalten, aber Jesus hat alles gesehen. Manchmal stehen wir auf der Seite
derer, die geben. Und manchmal auf der Seite derer, die empfangen. Auch ihr habt schon oft Menschen unterstützt, wo es
nötig war, ohne es an die große Glocke zu hängen. Hab für jemanden gekocht oder einen Kranken besucht, eine sterbende
bekleidet, Kleidung verschenkt oder Zeit. Joel Nölling ist gerade zurück von einem missionarischen Einsatz in Ägypten und er zählte, wie
sie in Kairo Besuche bei Flüchtlingsfamilien aus dem Sudan oder Syrien gemacht haben, die dort am untersten Rand der Gesellschaft
leben und mit welcher Freude ihre Besuche angenommen wurden da ist jemand, der uns sieht. Teilen macht Reich, das ist
eine geistliche Regel. Und Horten macht arm. Wie oft seid ihr schon auf der Seite der Beschenken gestanden und habt
überraschend Gutes empfangen, einfach so. Ich jedenfalls habe das tausendmal erlebt. Es macht mich bis heute dankbar. Andersherum aber auch,
wie oft waren wir schon die Geber, die Helfer, ein Beistand für andere. Ich dachte an unsere verstorbene Angela Ludwig.
Sie war für viele eine geistliche Begleiterin, eine Ermutigerin im Glauben. Und wenn man ihr das gesagt hat, dann hat
sie das abgewehrt, ach was, das war doch nicht viel. Genau so muss es sein. Wir dürfen getrost vergessen, wem
wir Gutes getan haben. Das macht gar nichts. Jesus hat es gesehen und hat es wie Samenkörner eingesammelt und im
Garten seines Vaters eingepflanzt. Dort bringen diese Samenkörner die Felder zum Blühen und verbreiten Gott und den Menschen Freude. Christus
unser Herr spricht, was ihr einem von diesen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das geht nicht vergessen, das
geht auf als Same der Freude. Amen.